Zu Besuch bei Willi Feinig in Suetschach (Feistritz im Rosental) am 24.03.2023
Autor: Bernd Meierhofer
Der Bienenstand
Am 24.3.2023 machte sich eine kleine Abordnung unserer Zuchtgruppe frühmorgens auf den Weg zu Willi Feinig in das schöne Kärntner Rosental. Willi wohnt in Suetschach, einem netten Dorf in der Nähe von Feistritz. Bei Willi angekommen ging es sofort weiter zu seinem Bienenstandort. Dieser liegt wunderschön, nur ca. 10 Minuten von Suetschach entfernt in Richtung der slowenischen Karawanken. Von der Vegetation dürfte es bei Willi derzeit sehr ähnlich wie bei uns in Salzburg sein. Auch bei ihm standen gerade die Salweiden in Vollblühte und der an seinen Bienenstandort angrenzende Wald war übersät von blühenden Schneerosen (auch Christrose oder Schwarze Nieswurz genannt). Ein wunderschöner Anblick. Bei der Schneerose haben übrigens die Nektarblätter neben ihrer Duftwirkung auch eine spezielle UV-Licht-Wirkung. Insekten und auch unsere Bienen, welche UV-Licht wahrnehmen können, werden dadurch nochmals auf sehr spezielle Art und Weise angelockt. Alle anfliegenden Bienen waren vollgepackt mit Pollen. Der Bienenstand ist zusätzlich von einem Elektrozaun geschützt. Dies ist in dieser Gegend notwendig, da immer wieder Bären über die Karawanken ziehen und dann auch bei den Bienenständen vorbeischauen.
Auch wenn Willis Beuten schon sehr alt sind – er meinte sie sind ca. 30 Jahre alt – sind diese bestens gepflegt und eine wahre Augenweide. Man sieht sofort, dass die Bodenbretter bereits alle gereinigt, ausgebessert und neu gestrichen wurden. Aber auch die Bienenvölker selbst sind bei ihm immer in einem Top-Zustand. Willi hat die Flachzargenbetriebsweise (10 Rähmchen pro Zarge) für seine Bedürfnisse über viele Jahre perfektioniert. Obwohl der Schwerpunkt bei ihm klar auf der Bienenzucht liegt, hat auch er jedes Jahr überdurchschnittlich große Honigerträge zu verzeichnen.
Willi sieht in der Flachzargenbetriebsweise klare Vorteile bei seiner Zuchtarbeit. Die Völker werden bei ihm auf den kleinen Rähmchen sehr eng gehalten.
Alle seine Wirtschaftsvölker stehen derzeit auf zwei Zargen und haben auch in den oberen Zargen bereits schön geschlossene Brutnester angelegt. Willi achtet bei seinen Bienen – neben Gesundheit und Sanftmut – sehr stark auf das Aussehen. Er bevorzugt die Alpine Carnica, welche sich rein optisch durch eine graue Behaarung unterscheiden lässt. Die panonische Carnica hat im Gegensatz dazu eine bräunliche, lehmfarbige Behaarung. Willi schaut auch bei den Königinnen ganz genau hin. Diese sollten einen möglichst einheitlich schwarzen Rücken haben und am Unterleib auch grau oder lederfarbig sein. Da seine Bienen sehr sanftmütig sind, wird zum Imkern weder Rauch noch ein Schutzanzug benötigt.
Auch die von ihm in Kieler-Beuten überwinterten Bienenvölker sind bereits alle in einem hervorragenden Zustand.
Seine Ableger
Bei Willi zu Hause im Garten durften wir dann auch noch einen Blick auf seine Ableger werfen. Für die Ableger verwendet er kleinere Beuten mit 4 Rähmchen pro Zarge. Auch die Ableger haben alle zur Zeit zwei Zargen. Hier werden immer drei Ableger nebeneinander aufgestellt und zu einem Block zusammengefasst. Auch die Ableger waren alle in einem hervorragenden Zustand. Es ist einfach immer eine Freude, Stöcke mit gesunden, heimischen Bienen zu sehen.
Sein Labor
Dann zeigte uns Willi noch sein Labor, wo er neben einem Brutschrank und den Gerätschaften für die künstliche Besamung auch einen eigenen Apparat zur Vermessung der Flügel (Kubitalindex) zur Verfügung hat. Mit der eigens für ihn entwickelten Zuchtdatenbank hat er rasch einen Überblick über die von ihm gezüchteten Linien sowie den Zuchtwerten und Stammbäumen der einzelnen Königinnen. Alles in Allem eine sehr runde Sache.
Die weitere Zusammenarbeit
In Folge wurde darüber gesprochen, wie wir bei der Zucht zukünftig zusammenarbeiten können. Willi bekam die Ergebnisse der letzten Leistungsprüfung sowie sämtliche Informationen (Körberichte, Stammbäume) zu den diesjährig auf den Belegstellen LS1 und LS5 verwendeten Vatervölkern ausgehändigt. Drei Linien stehen unsererseits zur Auswahl. Er möchte diese Linien aber selbst nochmals mit je 100 Bienen kören. Es wurde daher vereinbart, dass je ein Brutstück dieser Linien im Brutschrank ausgebrütet wird. Sobald alle geschlüpft sind (Futter nicht vergessen!), müssen diese für die Körung eingefroren werden. Somit ist 100% sichergestellt, dass das Körergebnis nicht durch Fremdbienen beeinflusst wird. Willi wird dann vermutlich – ab Juli – zweimal zu uns nach Salzburg kommen. Einmal zum Abholen der Körbienen und zur Besichtigung einer unserer beiden Belegstellen. Ein zweites Mal zum Abholen des Zuchtstoffes. Falls verfügbar, hätte er auch noch Interesse an blauen – aus dem Jahr 2020 stammenden – Königinnen.
Ein paar Empfehlungen
Willi würde uns die Verwendung der Kieler-Beuten (in Kombination mit den von ihm verwendeten Rähmchen) sehr empfehlen. Mit den Kieler-Beuten können die Völker einerseits überwintert werden, andererseits haben die Königinnen nach der Begattung auch ausreichend Platz für ein erstes Brutnest. In den Kieler-Beuten wären auch ausreichend Jungbienen enthalten um damit mehrmals auf die Belegstelle fahren zu können. Mit Apideas wäre dies nicht möglich.
Willi empfiehlt auch eine andere Art der Aufstellung der Kästchen auf der Belegstelle, wie es derzeit bei uns üblich ist. Bei 4 Apideas auf einem Ständer kann es zu erhöhten Königinnenverlusten kommen. Die Königinnen fliegen in das falsche Kästchen zurück oder töten sich gegenseitig beim An- oder Abflug. Die Züchter bei ihm in Kärnten verwenden nur noch zwei Kieler-Beuten pro Ständer, bei denen die Einfluglöcher in die entgegengesetzte Richtung zeigen. Willi kann hier auf seine langjährigen Erfahrungen als ACA-Belegstellenleiter bzw. als Leiter seiner Belegstelle zurückgreifen.
Resümee
Nach einem netten Gedankenaustausch bei Kaffee und Kuchen haben wir am Nachmittag dann wieder die Rückreise angetreten.
Vielen herzlichen Dank nochmals an Willis Frau und ihn, die uns wieder sehr herzlich und gastfreundlich empfangen haben!
Ein herzliches Dankeschön auch an Maria, welche für uns für die Hin- und Rückfahrt den Chauffeur gespielt hat!
Wir hoffen, dass es mit der gemeinsamen Zucht dieses Jahr gut klappen wird und freuen uns schon auf den Besuch von Willi und seiner Frau in Salzburg. Es ist sicherlich wichtig, dass sich die Carnica-Züchter untereinander gut vernetzen und wir gemeinsam weiter an der Qualität unserer heimischen Carnica-Bienen arbeiten. Durch die Importe von fremden Bienenrassen bzw. künstlichen Bienenkreuzungen wird es bereits immer schwieriger unsere heimischen Bienenrassen zu erhalten.









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