Erfahrungen mit dem Bannwabenverfahren
Erfahrungsaustausch am 22.10.2024
Autoren: Maria Doppler, Bernd Meierhofer
Am Dienstag, den 22.10.2024 trafen sich 19 Imkerinnen und Imker im Gasthaus Drei Eichen in Eugendorf, um über ihre Erfahrungen mit dem Bannwabenverfahren zu berichten bzw. diesen Erfahrungsberichten zuzuhören.
Erfahrungsaustausch der Teilnehmer
Bannwabenverfahren – ein Verfahren mit vielen Ausprägungen
Das Bannwabenverfahren wird von den Imkerinnen und Imkern sehr unterschiedlich gehandhabt. Einige Imkerinnen und Imker verwenden die neuen Wabentaschen mit Rundstäben für 2 Rähmchen, einige die Duplex-Wabentasche für 2 Rähmchen, die auch in Kombination mit dem Varroa-Controller angeboten wird, einige selbstgebaute Wabentaschen für einzelne Rähmchen, einige auch – wie von Dr. Ralph Büchler empfohlen – senkrechte Sperrgitter.
Auch die in den Wabentaschen bebrüteten Rähmchen werden von den Imkern unterschiedlich verwendet. Einige Imker schmelzen diese Rähmchen sofort ein, andere sammeln sie in einer Brutscheune. Solche Brutscheunen müssen dann natürlich sehr intensiv gegen die Varroa behandelt werden. Andreas Brandl hat dieses Jahr die Rähmchen vakuumiert und eingefroren, um eine genaue Varroazählung durchführen zu können.
Kein leichtes Unterfangen
Im Allgemeinen ist das Einsetzen der Wabentasche und das Einsperren der Königin zur Zeit der Sommersonnenwende kein leichtes Unterfangen. Da die Bienenstöcke zu dieser Zeit meist voll mit Bienen sind, ist auch das Einfangen von markierten Königinnen nicht immer einfach. Hierfür kann man sicherlich 10-15 Minuten pro Volk einkalkulieren. Ist gerade (Melezitose-)Tracht muss dann auch noch das Abtragen der möglicherweise bereits gut gefüllten Honigräume eingeplant werden.
Leichte Vorteile für Dadant-Imker
Vor allem für Imker mit Dadantbeuten scheinen die vertikal angebrachten Absperrgitter eine gute Lösung zu sein, da es hier bereits passende Gitter zu kaufen gibt und in einer Dadantbeute meist genügend Platz vorhanden ist. Bei anderen Beutensystemen muss der Imker meist selbst Hand anlegen. Roider Sepp legt bei seinen Beuten eine Bodenplatte ein, damit die Führungsschiene des senkrechten Sperrgitters nicht auf dem Bodengitter, sondern sauber aufliegt.
Probleme mit der Duplex-Wabentasche
Bei der Duplex-Wabentasche wird bemängelt, dass das verwendete Aluminiumblech zu weich ist und sich daher leicht verbiegt. Ist die Wabentasche leicht verbogen, ist das Auswechseln der Rahmen entsprechend schwieriger. Ein weiterer Kritikpunkt sind die ausgestanzten Löcher der Duplex-Wabentasche, an denen sich die Bienen leichter verletzen können als an den Rundstäben.
Vorsicht ist geboten
Bei den Wabentaschen für zwei Rähmchen ist vor allem das Aufsetzen des Deckels nicht einfach. Hier muss besonders schnell und geschickt gearbeitet werden, damit keine Bienen zwischen Deckel und Oberträger eingeklemmt werden. Beim Austausch der Rähmchen muss sehr vorsichtig vorgegangen werden, um die Königin nicht zu verletzen oder gar zu töten.
Die lieben Pheromone
Einige Imker berichten sogar, dass das Einsperren der Königin in der Wabentasche zum Umweiseln des Volkes geführt hat. Vor allem ältere Königinnen dürften dann nicht mehr genügend Pheromone von der Bannwabe aus im Bienenvolk verteilen.
Präsentation von Andreas Brandl
Nach diesem Erfahrungsaustausch der Teilnehmer präsentierte Andreas Brandl seine Unterlagen zum Bannwabenverfahren.
Er nennt folgende Vorteile:
- Man spart sich die Varroabehandlung im Juli/August und erhält dadurch vitale Winterbienen, die bereits im Juli gebildet werden und keiner hohen Varroabelastung ausgesetzt sind
- Da die Königin bereits gekäfigt ist, kann diese nun auch leicht im Volk getauscht werden
- Da bis auf die Waben in der Wabentasche alle anderen Rähmchen brutfrei werden, kann eine Bauerneuerung einfach durchgeführt werden. Dunkle oder schlecht ausgebaute Waben können nun einfach entfernt werden
- Es kann mehr Honig geerntet werden, da von den Bienen weniger Brut gepflegt werden muss
- Die Legeleistung der Bienenkönigin wird auf den Bannwaben deutlich sichtbar. Wenn die Rähmchen in der Wabentasche nicht voll bebrütet sind, sollte ein Königinnenwechsel in Betracht gezogen werden.
Als Nachteile nennt er:
- Das Bannwabenverfahren und der Wabentausch sind mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden, da sehr vorsichtig gearbeitet werden muss, um keine Bienen oder gar die Königin zu zerquetschen.
- Die Beutensysteme müssen für den Einsatz der Wabentaschen oder der Sperrgitter möglicherweise adaptiert werden.
- Die über die Bannwaben herbeigeführte Brutunterbrechung führt zu einer kurzzeitigen Schwächung der Völker. Das Gleiche gilt auch für die totale Brutentnahme. Das Volk muss viel Energie aufwenden, um die Bienen zu erneuern. Ableger oder Kunstschwärme aus diesen Völkern am Ende der Saison sind nicht möglich. Aufgrund der kurzzeitigen Schwächung dieser Völker müssen sie auch besser vor fremden Räuberbienen geschützt werden. Durch einen frühzeitigen Einsatz des Bannwabenverfahrens gibt es kaum Räuberei und nach dem Generationswechsel entwickeln sich die Völker wieder sehr stark.
Der Verflug der Bienen darf nicht vergessen werden
Unsere Carnica Zuchtreferent und Obmann der Carnica Zuchtgruppe Salzburg, Andreas Freundlinger, gibt zu bedenken, dass auch der Verflug der Bienen wesentlich zur Verbreitung der Varroa beiträgt. Die Ergebnisse der Milbenzählungen sind daher sehr kritisch zu betrachten. Es ist fraglich, ob daraus bereits züchterische Schlüsse zur Varroaresistenz der Bienen gezogen werden können.
Grundsätzlich hält er eine in den Ortsgruppen abgestimmte, zeitnahe und gemeinsam durchgeführte Varroabehandlung für wünschenswert.
Erfahrungsbericht von Andreas Brandl
Andreas Brandl berichtet von seinen Bienenvölkern, bei denen er bereits 2023 das Bannwabenverfahen angewendet hat und bei denen auch im Spätherbst/Winter keine Restentmilbung durchgeführt wurde. Der natürliche Milbenfall im Frühjahr war enorm und trotzdem zeigten sich die Völker vital und sehr stark. Selbst der Gesundheitswart war von dem sehr guten Zustand der Völker überrascht. Bei diesen Völkern wurde Mitte Juni das Bannwabenverfahren wieder angewendet. Die entnommenen Waben wurden sofort eingefroren und später ausgezählt. Das Ergebnis war überraschend (siehe: “Bannwabe Auszählung“). Wabe A war eine verdeckelte Wabe mit bald schlüpfenden Bienen. Wabe B wurde als ausgebaute Leerwabe eingesetzt und Wabe C sollte beim letzten Tausch als Fangwabe dienen. Die Vermutung, dass Wabe B den geringsten Milbenbefall aufweist, wurde durch die Auszählung widerlegt. Überraschenderweise befindet sich in ihr fast die dreifache Menge im Vergleich zur Fangwabe. Die größte Milbenmenge befindet sich schließlich in Wabe A. Die Auszählung der Milben ist sehr zeitintensiv aber für die Zuchtselektion sehr wichtig.
Aktuelle Völkerverluste in der Region
Zum Abschluss der Veranstaltung wurde kurz auf die aktuellen Völkerverluste einiger Imker in der Region eingegangen. Die anwesenden Imker waren sich einig, dass eine Brutunterbrechung nach der Honigernte unerlässlich ist. Ob diese nun durch das Bannwabenverfahren, durch die Entnahme der Königinnen aus dem Volk (Teilungs- und Behandlungskonzept von Dr. Aumeier), einen Königinnen-Käfig oder indirekt durch eine Ameisensäurebehandlung erfolgt, ist eigentlich zweitrangig. Eine Oxalsäureverdampfung (z.B.: 4 Verdampfungen in einem Abstand von 4 Tagen) im Sommer, wenn die Bienenkästen noch stark gefüllt sind und auch viel Brut enthalten, dürfte jedenfalls in vielen Fällen nicht ausreichend gewirkt haben. Es wird vermutet, dass die vollen Wabengassen im Sommer die Ausbreitung der Oxalsäuredämpfe im Stock verhindern. Die Oxalsäureverdampfung kann erst bei Brutfreiheit, meistens im Herbst, die optimale Wirkung zeigen.
Fazit
Es war ein sehr informativer Abend mit lebhaften Diskussionen. Der Abend hat auf jeden Fall dazu beigetragen, dass das Bannwabenverfahren in der Imkerschaft wieder bekannter geworden ist. Der von Andreas Brandl initiierte Einsatz des Bannwabenverfahrens in Kombination mit einer genauen Milbenzählung ist auf jeden Fall ein neuer Weg in der Zuchtauswahl. Einige Leistungsprüfer der Carnica Zuchtgruppe Salzburg werden diese Milbenzählung durchführen und die Ergebnisse werden mit großem Interesse erwartet, damit in Zukunft die Bienen unserer Zuchtgruppe auch auf Varroaresistenz selektiert werden können. Auf eine genauere Untersuchung der Brutzellen hinsichtlich der Vermehrungsfähigkeit der Milben, wie sie in anderen Zuchtgruppen durchgeführt wird, kann bei dieser Methode verzichtet werden, da die Gesamtsumme der aus den Waben ausgewaschenen Milben bereits ein ausreichender Indikator ist.
Nochmals vielen Dank an Andreas Brandl für seinen tollen Vortrag und seine bisherigen Bemühungen!
Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!












Ich finde die Fotos sehr interessant, sehe ich das richtig das die Waben nicht ausgezählt werden unter dem Mikroskop sondern geköpft die zellen und ausgewaschen und dann wie eine Bienenprobe durch ein Gitter die Milben ausgesiebt?
Antwort: Andreas Brandl
Hallo Marcel,
Ja, das Rähmchen auswaschen ist auch Arbeit. Lieber wäre mir eine andere Lösung.
Kurz zusammengefasst, wie wir vorgehen:
Im Juni/Juli wird mit einem Kunstschwarm oder einem brutfreien Volk mit möglichst wenig Milben gestartet.
Die Völker werden in Einzelaufstellung aufgestellt.
Es wird möglichst keine Herbst-Winterbehandlung gemacht.
Im November und März/April wird der natürliche Milbenabfall erhoben.
Die Bannwabentasche wird im Juni eingesetzt. Aus dem Bannwabenverfahren werden die Brutwaben eingefroren, ausgewaschen und gezählt. Die Ergebnisse sind alle sehr spannend.
In dieser Saison werde ich im Sommer die Staubzucker Methode mit den ausgewaschenen Waben abgleichen. Sollte sich die Staubzucker Methode als zuverlässige Methode herausstellen, dann werde ich keine Brutwaben mehr auswaschen.
Antwort: Bernd Meierhofer
Hallo Marcel, Hallo Andreas,
zunächst möchte ich mich bei Marcel dafür entschuldigen, dass ich seine Anfrage an die Carnica Zuchtgruppe Salzburg nicht sofort beantwortet habe. Derzeit sind wir alle sehr stark mit diversen Adventmärkten beschäftigt. Mit deiner direkten Anfrage an Andreas bist du aber ohnehin gleich beim Meister des Auswaschverfahrens gelandet.
Für die kommende Zuchtsaison wollen wir den Varroaabfall zur Salweidenblüte (über 3 Wochen lang jede Woche die Milben zählen) und den Milbenbefall Ende Juni ermitteln (Auswaschen oder Puderzuckermethode für eine konkrete Bienenmenge). Damit soll der Anstieg der Varroabefallskurve ermittelt werden und eigentlich bereits erkennbar werden, welche Völker mehr oder weniger gut mit der Varroa umgehen können.
Für Züchter, die wie Andreas das Bannwabenverfahren anwenden, ist natürlich auch von Interesse, welche Menge an Milben mit den Bannwaben gefangen werden konnten. Es wird spannend werden, ob Völker mit vielen Varroamilben bei der Milbenzählung im Frühjahr und Sommer auch viele Milben in den Bannwaben haben werden.
Da diese Maßnahmen alle sehr mühsam sind und die an unserer Leistungsprüfung teilnehmende Züchter ohnehin schon viele Daten erfassen müssen, wäre es natürlich wünschenswert, wenn die eine oder andere Varraoprüfung wegfallen würde. Dies wird sich im kommenden Jahr vermutlich zeigen.
Unsere Zuchtgruppe hat sich klar gegen das Auszählen von Brutwaben unter dem Mikroskop entschieden. Einerseits ist uns dies zu aufwändig, andererseits wollen wir unsere Bienenvölker nicht mit abgezählten Milben impfen, deren Vitalität (sie wurden mittels Puderzucker von den Bienen abgelöst) selbst mehr als fraglich ist.
Liebe Grüße,
Bernd