Bericht über den Zuchtkurs am 17. Mai 2025 in Eugendorf
Autor: Bernd Meierhofer
Am 17. Mai 2025 fand der vom Landesverband Salzburg organisierte und von unserer Carnica-Zuchtgruppe unter der Leitung von Andreas Freundlinger, Carnica-Zuchtreferent des Landes Salzburg und Obmann unserer Zuchtgruppe, abgehaltene Carnica-Zuchtkurs in Eugendorf statt. Zahlreiche Imkerinnen und Imker aus dem gesamten Bundesland Salzburg nahmen daran teil, um ihr Wissen rund um die Königinnenzucht zu vertiefen.
Theorieteil – kurz und knackig
Zu Beginn des Kurses gab Andreas eine fundierte Einführung in die Grundlagen der Bienenzucht sowie einen Überblick über die Aufgaben und Zielsetzungen unserer Carnica Zuchtgruppe. Unsere Zuchtgruppe betreibt die beiden Carnica Reinzuchtbelegstellen LS1 Strobl und LS5 Abtenau sowie die Carnica-Begattungsstelle Eugendorfer Berg. Von den beiden Reinzuchtbelegstellen stammen jedes Jahr ca. 1/3 der im ganzen Bundesland Salzburg gezüchteten Königinnen. Andreas ging auch auf die besondere Bedeutung der gezielten Zuchtarbeit für sanftmütige, leistungsfähige und gesunde Bienenvölker ein. Er betonte auch, dass auch in unserer Zuchtgruppe – wie in vielen anderen Zuchtgruppen auch – auf varroatolerantes Verhalten der Carnica-Bienen geachtet wird. Es sei jedoch definitiv verfrüht, hier Erfolge publik zu machen. Züchterische Maßnahmen müssen erst gefestigt werden und sich auch in Folgejahren und unterschiedlichen Umfeldern als erfolgreich erweisen.
Praxisteil
Im praktischen Teil des Kurses wurden die Zuchtkästchen vorbereitet (Wachsstreifen eingelötet und Futterteig eingefüllt), die Königinnen mit Opalithplättchen gekennzeichnet (die Kursteilnehmer konnten eine Königin aus der Linie G10, Wurm oder Feuersang selbst anhand der vorliegenden Körberichte auswählen) und Weiselnäpfchen aus Bienenwachs hergestellt. Anschließend erfolgte das Befüllen der Zuchtkästchen mit Pflegebienen und den gekennzeichneten Königinnen. Diese Zuchtkästchen werden nach einer kurzen Kellerhaft in den kommenden Tagen zur Belegstelle LS1 Strobl gebracht.
Die Zuchtkästchen verbleiben dann für die nächsten 14 Tage auf der Belegstelle, damit die Bienenköniginnen dort ihren Hochzeitsflug absolvieren und von den Drohnen der Belegstelle begattet werden können. Am 1. Juni können die Zuchtkästchen dann von der Belegstelle abgeholt werden (jeder Teilnehmer sollte im günstigsten Fall sein Kästchen mit einer erfolgreich begatteten Carnica Reinzuchtkönigin bekommen). Dieser Termin ist insofern sehr günstig, da er auch mit dem Belegstellenfest am 1. Juni 2025 zusammenfällt. Die Kursteilnehmer haben somit auch die Gelegenheit, im Rahmen des Belegstellenfestes die übrigen Züchter näher kennenzulernen. Die Kursteilnehmer wurden gebeten, sich rechtzeitig auch für das Belegstellenfest anzumelden. Der Link zur Anmeldung und weitere Details zum Fest sind dem Kalendereintrag zum Belegstellenfest im Veranstaltungskalender zu entnehmen.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Besprechung der Bildung von Pflegevölkern (Zucht im weisellosen Bienenvolk bzw. Zucht im Sammelbrutableger), welche im Zuchtprozess eine zentrale Rolle spielen. Ein besonderes Highlight stellte das gemeinsame Umlarven dar, bei dem alle Teilnehmer selbst Hand anlegen konnten. Im Anschluss wurden die Zuchtlatten mit den befüllten Näpfchen gemeinsam in die vorbereiteten Pflegevölker eingesetzt.
Resümee
Der Vortragende Andreas Freundlinger, selbst ein äußerst erfahrener Züchter mit jahrzehntelanger Praxis, zählt ohne Übertreibung zu den besten Züchtern im Bundesland Salzburg. Im Laufe des Kurses gab er zahlreiche wertvolle Tipps und Tricks weiter – alle aus seiner eigenen langjährigen Erfahrung –, die letztlich alle das Ziel verfolgen, die Qualität der gezüchteten Königinnen weiter zu steigern. Diese praxisnahen Hinweise wurden von den Teilnehmern mit großem Interesse aufgenommen. Die Kurse von Andreas sind so beachtlich, da er sie so vorbereitet, dass alle Schritte der Zucht an einem Tag gezeigt und durchgeführt werden können. Dafür sind Bienenvölker in unterschiedlichen Entwicklungsstadien sowie geschlüpfte Jungköniginnen in ausreichender Anzahl für alle Teilnehmer erforderlich. Dies ist eine organisatorische Meisterleistung für die dann nur ein kleiner Unkostenbeitrag verlangt wird.
Auch der Landesobmann von Salzburg, Andreas Brieger, stattete dem Kurs einen kurzen Besuch ab und zeigte sich erfreut über das große Engagement der Teilnehmer sowie die fundierte und praxisnahe Vermittlung der Zuchtthemen.
Der Kurs bot eine gelungene Mischung aus Theorie, Praxis und Erfahrungsaustausch und wurde von allen Beteiligten sehr positiv aufgenommen.
And Now for Something Completely Different
Ergänzend zum Kursthema berichtete Simon Klaushofer (Faistenauer Hofkäserei/Imkerei), Obmann der Imker-Ortsgruppe Faistenau, über die an seinem Bienenstand praktizierte Stocklufttherapie. Diese natürliche Behandlungsmethode zeigt besonders bei Personen mit Atemwegserkrankungen – vor allem bei Kindern – bemerkenswerte Erfolge und fand großes Interesse bei den Anwesenden. Wer diesbezüglich weitergehende Informationen benötigt, darf sich gerne an Simon wenden.
Danksagung
An dieser Stelle daher im Namen aller Kursteilnehmer einen großen Dank an Andreas Freundlinger und die vielen Helfer (Karin, Emil, Sepp …) für diesen tollen Kurs. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Kurs auch in den kommenden Jahren angeboten und von Andreas geleitet wird. Never change a winning team!
Seine Kurse und die daraus resultierenden Carnica-Bienen sind eine Garantie dafür, dass wir auch in den kommenden Jahren noch mit gesunden, heimischen Bienen imkern dürfen.
Hinweis zum richtigen Zusetzen der neuen Königinnen
Leider sterben jedes Jahr viele der neu gezüchteten Königinnen bereits beim Einsetzen in die Wirtschaftsvölker. Das ist natürlich sehr schade, denn jede Bienenkönigin ist ein wertvolles Lebewesen und die Zucht jeder Königin ist mit viel Aufwand und Mühen verbunden. In ein paar Tagen werden die Kursteilnehmer ihre Apideakästchen mit den jungen, frisch begatteten Königinnen und ihrem Jungvolk in den Händen halten. Jeder Kursteilnehmer sollte sich deshalb umgehend Gedanken darüber machen, wie er in den darauffolgenden Tagen mit diesen Mini-Völkern verfahren möchte. Ich möchte daher auf unseren Artikel über das richtige Zusetzen von Königinnen verweisen. Die Jungvölker können sicherlich noch ein paar Tage in den Apideakästchen bleiben bzw. gibt es auch noch Aufsätze für die Apideakästchen. Der Platz in den Apideakästchen wird aber rasch zu knapp für die Jungvölker. Ich persönlich empfehle, die Jungvölker bis in den Herbst in Miniplus-Beuten zu geben und nur dann die neuen Königinnen in Wirtschaftsvölkern einzuweiseln, wenn sich diese auch entsprechend entwickelt haben und den Erwartungen entsprechen. Dann sind die Königinnen im Herbst auch reif und ein Königinnentausch mit einem Wirtschaftsvolk kann meist unproblematisch durchgeführt werden. Diesen Tausch führe ich jedes Jahr für ein Drittel meiner Königinnen am Stand durch. Auf diese Weise stelle ich sicher, dass sich nur Königinnen, die nicht älter als zwei Jahre sind, in den Wirtschaftsvölkern befinden (dies bringt klare Vorteile beim Schwarmverhalten und bei der Volksstärke der Wirtschaftsvölker). Die alten Königinnen behalte ich dann als Reserveköniginnen in Miniplus-Beuten. Falls diese im Herbst/Winter nicht mehr benötigt werden, kann ich sie sogar in den Miniplus-Beuten überwintern. Bisher wurden diese Königinnen aber auch gerne von Imkerkollegen genommen, deren Völker im Herbst weisellos waren.

















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