{"id":2577,"date":"2026-05-12T20:00:31","date_gmt":"2026-05-12T18:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/carnica-zuchtgruppe-salzburg.at\/?p=2577"},"modified":"2026-06-10T16:21:43","modified_gmt":"2026-06-10T14:21:43","slug":"toleranz-resistenz-und-die-geschichte-von-alice-im-wunderland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/carnica-zuchtgruppe-salzburg.at\/index.php\/2026\/05\/12\/toleranz-resistenz-und-die-geschichte-von-alice-im-wunderland\/","title":{"rendered":"Toleranz, Resistenz und die Geschichte von Alice im Wunderland"},"content":{"rendered":"\n<style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-mmsuq56k-cd556ecb3c13eb4e3410f996fb1e7c4c\">\n#top .av-special-heading.av-mmsuq56k-cd556ecb3c13eb4e3410f996fb1e7c4c{\npadding-bottom:10px;\n}\nbody .av-special-heading.av-mmsuq56k-cd556ecb3c13eb4e3410f996fb1e7c4c .av-special-heading-tag .heading-char{\nfont-size:25px;\n}\n.av-special-heading.av-mmsuq56k-cd556ecb3c13eb4e3410f996fb1e7c4c .av-subheading{\nfont-size:15px;\n}\n<\/style>\n<div  class='av-special-heading av-mmsuq56k-cd556ecb3c13eb4e3410f996fb1e7c4c av-special-heading-h3 blockquote modern-quote modern-centered  avia-builder-el-0  el_before_av_image  avia-builder-el-first '><h3 class='av-special-heading-tag '  itemprop=\"headline\"  >Toleranz, Resistenz und die Geschichte von Alice im Wunderland<\/h3><div class=\"special-heading-border\"><div class=\"special-heading-inner-border\"><\/div><\/div><\/div>\n\n<style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-mnamb7k8-dd72d00e415be36d1fe8f7bec65cc0de\">\n.avia-image-container.av-mnamb7k8-dd72d00e415be36d1fe8f7bec65cc0de img.avia_image{\nbox-shadow:none;\n}\n.avia-image-container.av-mnamb7k8-dd72d00e415be36d1fe8f7bec65cc0de .av-image-caption-overlay-center{\ncolor:#ffffff;\n}\n<\/style>\n<div  class='avia-image-container av-mnamb7k8-dd72d00e415be36d1fe8f7bec65cc0de av-styling- avia-align-center  avia-builder-el-1  el_after_av_heading  el_before_av_textblock '   itemprop=\"image\" itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/ImageObject\" ><div class=\"avia-image-container-inner\"><div class=\"avia-image-overlay-wrap\"><img decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\" class='wp-image-2607 avia-img-lazy-loading-not-2607 avia_image ' src=\"https:\/\/carnica-zuchtgruppe-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/varroa_fun2-300x300.png\" alt='' title='Wird sich die Varroamilbe von dem Termin 2033 beeindrucken lassen?'  height=\"300\" width=\"300\"  itemprop=\"thumbnailUrl\" srcset=\"https:\/\/carnica-zuchtgruppe-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/varroa_fun2-300x300.png 300w, https:\/\/carnica-zuchtgruppe-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/varroa_fun2-80x80.png 80w, https:\/\/carnica-zuchtgruppe-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/varroa_fun2-768x768.png 768w, https:\/\/carnica-zuchtgruppe-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/varroa_fun2-36x36.png 36w, https:\/\/carnica-zuchtgruppe-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/varroa_fun2-180x180.png 180w, https:\/\/carnica-zuchtgruppe-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/varroa_fun2-705x705.png 705w, https:\/\/carnica-zuchtgruppe-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/varroa_fun2.png 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/div><\/div><\/div>\n<section  class='av_textblock_section av-mp1ehecc-3467088b6e081305133ea674551b1e8a '   itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/BlogPosting\" itemprop=\"blogPost\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><p style=\"text-align: center;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Wird sich die Varroamilbe von dem Termin 2033 beeindrucken lassen? (\u201eSatirische KI-Illustration&#8220; generiert mit OpenAI \/ ChatGPT-Bildgenerator)<\/span><\/em><\/p>\n<\/div><\/section>\n\n<style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-mmsuqg8r-2ff83a9fc860d22f02536bc6852a4dad\">\n#top .hr.av-mmsuqg8r-2ff83a9fc860d22f02536bc6852a4dad{\nmargin-top:30px;\nmargin-bottom:30px;\n}\n.hr.av-mmsuqg8r-2ff83a9fc860d22f02536bc6852a4dad .hr-inner{\nwidth:50px;\nmax-width:45%;\n}\n<\/style>\n<div  class='hr av-mmsuqg8r-2ff83a9fc860d22f02536bc6852a4dad hr-custom  avia-builder-el-3  el_after_av_textblock  el_before_av_textblock  hr-center hr-icon-yes'><span class='hr-inner inner-border-av-border-thin'><span class=\"hr-inner-style\"><\/span><\/span><span class='av-seperator-icon avia-svg-icon avia-font-svg_entypo-fontello' data-av_svg_icon='dot-3' data-av_iconset='svg_entypo-fontello'><svg version=\"1.1\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"29\" height=\"32\" viewBox=\"0 0 29 32\" preserveAspectRatio=\"xMidYMid meet\" aria-labelledby='av-svg-title-1' aria-describedby='av-svg-desc-1' role=\"graphics-symbol\">\n<title id='av-svg-title-1'>Dot-3<\/title>\n<desc id='av-svg-desc-1'>Dot-3<\/desc>\n<path d=\"M3.52 12.48q1.472 0 2.496 1.024t1.024 2.496q0 1.408-1.024 2.464t-2.496 1.056-2.496-1.056-1.024-2.464q0-1.472 1.024-2.496t2.496-1.024zM14.72 12.48q1.472 0 2.496 1.024t1.024 2.496q0 1.408-1.056 2.464t-2.464 1.056-2.464-1.056-1.056-2.464q0-1.472 1.024-2.496t2.496-1.024zM25.92 12.48q1.472 0 2.496 1.024t1.024 2.496q0 1.408-1.024 2.464t-2.496 1.056-2.496-1.056-1.024-2.464q0-1.472 1.024-2.496t2.496-1.024z\"><\/path>\n<\/svg><\/span><span class='hr-inner inner-border-av-border-thin'><span class=\"hr-inner-style\"><\/span><\/span><\/div>\n<section  class='av_textblock_section av-mmsv8lhf-fc0b70873222ecf481c7d806249707da '   itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/BlogPosting\" itemprop=\"blogPost\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><p><span style=\"color: #999999;\">Autor: Bernd Meierhofer<\/span><\/p>\n<h3><strong>&#8222;Rote K\u00f6nigin&#8220;-Hypothese<\/strong><\/h3>\n<p>Den Anfang soll eine Geschichte \u00fcber Alice im Wunderland machen. Eigentlich geht es nicht um das Kinderbuch &#8222;Alice im Wunderland&#8220;, sondern um das zweite Kinderbuch von Lewis Carroll, welches den Titel &#8222;Alice hinter den Spiegeln&#8220; tr\u00e4gt und 1871 ver\u00f6ffentlicht wurde. In diesem Werk erlebt Alice eine Reihe neuer Abenteuer und trifft dabei auf die schwarze K\u00f6nigin, die im Englischen auch als rote K\u00f6nigin bezeichnet wird. Im Rahmen einer gemeinsamen Partie Schach erh\u00e4lt Alice von ihr den Rat: Hierzulande musst du so schnell rennen, wie du kannst, wenn du am gleichen Fleck bleiben willst\u201c.<br \/>\nDieser Rat steht auch f\u00fcr einen grundlegenden Erkl\u00e4rungsansatz in der Evolutionsbiologie, welcher vom Evolutionsbiologen Leigh Van Valen aufgegriffen und auch als &#8222;Rote K\u00f6nigin&#8220;-Hypothese bezeichnet wurde. Um dauerhaft existieren zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen sich alle Arten von Lebewesen st\u00e4ndig ver\u00e4ndern und an ihre variable Umwelt anpassen. Bezogen auf unsere Bienen bedeutet dies, dass zwischen Wirt (Biene) und Parasit (Varroamilbe) ein st\u00e4ndiges evolution\u00e4res Wettr\u00fcsten (auch als Koevolution bezeichnet) stattfindet. Es ist f\u00fcr beide Seiten essenziell, eine kontinuierliche Weiterentwicklung zu erzielen, um ein konstantes Niveau aufrechtzuerhalten. \u00a0Leider kommt im Falle der Varroamilbe noch ein weiterer, nicht zu vernachl\u00e4ssigender Aspekt hinzu: die in den Bienenv\u00f6lkern vorhandenen Bienenviren. Diese bleiben bei der \u00dcbergabe von Nahrung und K\u00f6rperkontakt zwischen den Bienen relativ harmlos, k\u00f6nnen sich aber durch die direkte \u00dcbertragung beim Saugen der Milben an den Bienen extrem stark vermehren. Bienen, Varroamilben und Viren beeinflussen sich also st\u00e4ndig gegenseitig, weshalb man hier auch von einem Spannungsdreieck sprechen kann.<\/p>\n<p>Mit unseren imkerlichen Behandlungen (medikament\u00f6s und biotechnisch) versuchen wir, die Bienen von ihrem Leiden zu befreien. Als verantwortungsvolle Tierhalter sind wir dazu auch verpflichtet. Da sich die Varroamilbe durch menschliches Zutun weltweit so stark verbreiten konnte, haben wir in gewisser Form auch die moralische Verpflichtung, unsere Bienen im Kampf gegen diesen Parasiten zu unterst\u00fctzen. Wir m\u00fcssen die Suppe ausl\u00f6ffeln, die wir uns selbst eingebrockt haben. Zu hoffen, dass unsere Bienen mit den von uns geschaffenen Problemen irgendwann selbst zurechtkommen werden, grenzt da schon an Zynismus.<br \/>\nDurch unsere Behandlungen werden m\u00f6glicherweise Bienenv\u00f6lker am Leben erhalten, deren Genetik aus Sicht ihrer Vitalit\u00e4t und Krankheitsbest\u00e4ndigkeit eigentlich vor einer Weitergabe an die Folgegenerationen ausgeschlossen werden sollte. Zum Gl\u00fcck fokussiert sich die imkerliche Selektion in der Zucht aber nicht nur auf einen Aspekt, sondern betrachtet verschiedene Aspekte und versucht, diese zu gewichten. Solche \u201ekr\u00e4nklichen Bienenv\u00f6lker\u201d fallen also auf und werden aus anderen Folgegr\u00fcnden ausselektiert.<\/p>\n<p>In gewisser Weise arbeiten wir Imker dem nat\u00fcrlich stattfindenden Ausgleich zw. Bienen, Varroamilbe und Viren entgegen. Einerseits m\u00fcssen wir verhindern, dass die Bienen zunehmend von menschlicher Hilfe abh\u00e4ngig werden bzw. die Milben Resistenzen gegen die Behandlungsmittel entwickeln, andererseits m\u00fcssen wir aber auch unsere Bienen als Nutztier erhalten. Es h\u00e4ngt also davon ab, wie verantwortungsvoll wir diese Selektion lenken. <strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Toleranz oder Resistenz<\/strong><\/h3>\n<p>In der Imkerschaft werden die Begriffe &#8222;Toleranz&#8220; und &#8222;Resistenz&#8220; h\u00e4ufig f\u00fcr Varroa-Zuchtziele verwendet. Dabei werden diese zwei Fachbegriffe sehr ungenau angewendet.<\/p>\n<p>Resistenz: Die Widerstandskraft eines Wirtsorganismus gegen den Befall oder die Ausbreitung eines Parasiten (oder Krankheitserregers). Ein resistenter Wirt kann die Infektion verhindern oder den Parasiten effektiv bek\u00e4mpfen, was zu einer verringerten Parasitenlast (Anzahl der Parasiten) f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Toleranz: Die F\u00e4higkeit eines Wirtsorganismus, trotz einer Infektion mit Parasiten (hohe Parasitenlast) gesund zu bleiben und nur geringe Sch\u00e4den davonzutragen.<\/p>\n<p>Anders ausgedr\u00fcckt: W\u00e4hrend Resistenz die Anzahl der Parasiten reduziert, reduziert Toleranz die Auswirkungen des Parasiten auf die Gesundheit des Wirtes.<\/p>\n<p>Im Falle einer Varroa-Resistenz k\u00f6nnte sich die Varroamilbe weniger gut vermehren. Im Falle einer Varroa-Toleranz k\u00f6nnten die Bienen mit einer bestimmten Varroa-Belastung leben, ohne zusammenzubrechen. In beiden F\u00e4llen lebt die Varroamilbe aber in den Bienenst\u00f6cken weiter.<\/p>\n<p>Diese Unterscheidung mag f\u00fcr manche egal oder \u00fcbertrieben erscheinen, doch es ist wichtig, den Unterschied zu verstehen. Denn daraus ergeben sich unterschiedliche Zielsetzungen und Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Langfristig k\u00f6nnte sich ein \u00f6kologisches Gleichgewicht zwischen Biene und Varroa einstellen, zumindest in Bezug auf die westliche Honigbiene <em>Apis mellifera<\/em> und die Milbe <em>Varroa destructor<\/em>. Da lohnt auch ein Vergleich mit dem urspr\u00fcnglichen Wirt der Varroamilbe, der <em>Apis cerana<\/em> in Asien. Dort bleiben die Milbenpopulationen klein und stabil und die Sch\u00e4den im Bienenvolk bleiben gering.<\/p>\n<h3><strong>Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht<\/strong><\/h3>\n<p>Seit 2003 gibt es in Deutschland den gemeinn\u00fctzigen Verein <a href=\"https:\/\/www.toleranzzucht.de\/\">\u201eArbeitsgemeinschaft Toleranzzucht\u201c, kurz AGT<\/a>, welche sich der Auslese krankheitsresistenter, leistungsf\u00e4higer und sanftm\u00fctiger Bienen verschrieben hat. \u00a0Die AGT hat ihren Sitz beim <a href=\"https:\/\/llh.hessen.de\/bildung\/bieneninstitut-kirchhain\/\">Bieneninstitut in Kirchhain<\/a> und ist vor allem durch ihr Methodenhandbuch bei Z\u00fcchtern bekannt, das seit 2013 in einer zweiten Auflage verf\u00fcgbar ist. Es erm\u00f6glicht die Auslese von Bienenv\u00f6lkern nach wissenschaftlich fundierten Methoden und einheitlichen Pr\u00fcfkriterien. Gerade in der Tierzucht ist es notwendig, dass st\u00e4ndig Daten erfasst und ausgewertet werden, damit in Folge wichtige Zuchtentscheidungen nach objektiven Kriterien getroffen werden k\u00f6nnen.<br \/>\nUm der Varroa-Problematik zu begegnen, k\u00fcmmert sich die AGT unter anderem um den Aufbau und die Betreuung von sogenannten \u201eToleranzbelegstellen\u201c.<\/p>\n<h3><strong>Varroaresistenz 2033<\/strong><\/h3>\n<p>Im Jahr 2022 wurde die Bewegung <a href=\"https:\/\/varroaresistenzprojekt.eu\/\">\u201eVarroaresistenz 2033\u201d<\/a> von der <a href=\"https:\/\/gdeb.eu\/index-en.html\">Gemeinschaft der europ\u00e4ischen Buckfastimker e.V.<\/a>, <a href=\"https:\/\/deutscherimkerbund.de\/\">dem deutschen Imkerbund<\/a>, <a href=\"https:\/\/berufsimker.de\/\">dem deutschen Berufsimkerbund<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.toleranzzucht.de\/\">der AGT<\/a> und dem <a href=\"https:\/\/www.bv-dunkle-biene.de\/\">Bundesverband Dunkle Biene Deutschland e.V.<\/a> ins Leben gerufen. Das Ziel dieses Projekts besteht darin, bis zum Jahr 2033 eine varroaresistente Honigbienenpopulation in Europa fl\u00e4chendeckend zu etablieren. F\u00fcr den Inhalt der Website \u201evarroaresistenzprojekt.eu\u201c ist der Verband \u201eGemeinschaft der europ\u00e4ischen Buckfastimker e.V.\u201c verantwortlich.<\/p>\n<p>Wie auch der Namensgebungen der \u201eArbeitsgemeinschaft Toleranzzucht\u201c und der \u201eVarroaresistenz 2033\u201c-Bewegung zu entnehmen ist, d\u00fcrften auch hier die beiden Fachbegriffe ungenau angewendet worden sein, zumal beide Organisationen sicherlich auf das Zusammenspiel von Toleranz und Resistenz hoffen werden.<\/p>\n<p>Das Varroaresistenz 2033 Projekt pr\u00e4sentiert sich mit einem klaren Ziel, dass eine varroaresistente Honigbienenpopulation in Europa fl\u00e4chendeckend bis 2033 etabliert werden soll.\u00a0 Wenn man sich aber nicht sofort von dieser Suche nach dem heiligen Gral der Imkerschaft \u2013 Varroaresistenz und behandlungsfreie Imkerei \u2013 beeindrucken l\u00e4sst, sondern mehr dar\u00fcber nachdenkt, ergeben sich folgende Zweifel:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Projekt oder Vision\/Initiative, Risikomanagement, Verantwortung und die Zeit nach 2033:<\/strong> Handelt es sich hierbei um ein Projekt mit konkreten Zielen oder um eine Vision\/Initiative? Ziele m\u00fcssten konkret formuliert sein, messbar, mit klaren Ma\u00dfnahmen verbunden und eher kurzfristig sein. Eine Vision\/Initiative w\u00e4re hingegen allgemein formuliert, etwas Langfristiges mit inspirierendem bzw. motivierendem Charakter. Eine Vision gibt also die Richtung vor und Ziele w\u00e4ren die Meilensteine auf dem Weg dorthin. Auf der Homepage findet man einen allgemeinen Aufruf an alle europ\u00e4ischen Imker sowie an Organisationen, die mit Imkern zusammenarbeiten, sich am Projekt zu beteiligen und Teil der Bewegung zu werden \u2013 ohne zu konkretisieren, wie dieser gemeinsame Weg bis 2033 geplant ist. Also doch mehr eine Vision\/Initiative als ein konkretes Projekt?<br \/>\nAber egal, ob man es nun als Projekt oder Vision\/Initiative sieht, sollte man sich auch \u00fcber Ausstiegsstrategien Gedanken machen (Teil einer guten Projektplanung und des Risikomanagements). Was passiert, wenn das Ziel oder gesetzte Teilziele nicht erreicht werden und 2033 unsere Bienen immer noch nicht varroaresistent oder varroatolerant sind bzw. dieses Ziel immer unrealistischer wird? W\u00fcrden wir auf z\u00fcchterische Ma\u00dfnahmen (k\u00fcnstliche Besamung, Ein-Drohn-Besamung, Impfen von Bienenst\u00f6cken mit Varroamilben etc.), welche derzeit im Namen der Varroaresistenzzucht als notwendig erachtet werden, wieder verzichten? W\u00fcrden wir nach 2033 einfach weitermachen wie davor? Wer tr\u00e4gt letztlich die Verantwortung, wenn sich herausstellt, dass diese Ma\u00dfnahmen den Bienen und der Umwelt mehr geschadet als genutzt haben? Oder im positiven Sinne, was w\u00e4re ein konkretes Ende und was passiert mit den Arbeitsergebnissen?<\/li>\n<li><strong>(Projekt)umfang:<\/strong> Europa als geografischer Kontinent umfasst 46 Staaten, w\u00e4hrend die Europ\u00e4ische Union (EU) als politisch-wirtschaftlicher Zusammenschluss aktuell 27 Mitgliedstaaten enth\u00e4lt. Da sich Bienen nicht an Grenzen halten, ist mit einer fl\u00e4chendeckenden, varroaresistenten Honigbienenpopulation f\u00fcr Europa vermutlich eher der geografische Kontinent gemeint. Betrachtet man die \u00dcbersicht der Varroaresistenzzuchtgruppen und -belegstellen auf der Homepage des \u201eVarroaresistenz 2033\u201c-Projekts, wird man feststellen, dass diese \u2013 mit wenigen Ausnahmen \u2013 im deutschsprachigen Raum liegen. Wenn bis 2033 die Imkerinnen und Imker in ganz Europa angesprochen und zu konkreten Ma\u00dfnahmen bewegt werden sollen, erscheint das gesteckte Ziel doch als zu &#8222;sportlich&#8220; und eher unrealistisch. Aber auch die 27 EU-Mitgliedstaaten als Projektumfang erscheinen als zu umfangreich.<\/li>\n<li><strong>Projektziel<\/strong>:<br \/>\nAuf der Homepage des Varroaresistenz 2033 Projekts steht: \u201eSie vereinbarten, alle Kraft f\u00fcr das Erreichen des Ziels einzusetzen, eine varroaresistente Honigbienenpopulation fl\u00e4chendeckend zu etablieren.\u201c\u00a0 Was versteht man unter einer fl\u00e4chendeckenden, varroaresistenten Honigbienenpopulation? Als Population wird eine Gruppe von Individuen derselben Art definiert, die zur gleichen Zeit in einem bestimmten Gebiet leben und sich untereinander fortpflanzen k\u00f6nnen. In Europa gibt es nicht nur eine einzige Honigbienenpopulation, sondern mehrere regional angepasste Populationen bzw. Unterarten der Westlichen Honigbiene (<em>Apis mellifera<\/em>).<br \/>\nAllein in \u00d6sterreich gibt es vier Klimazonen, die sich stark unterscheiden. Sie werden nach Niederschlagsmenge und Fr\u00fchlingsbeginn klassifiziert: mitteleurop\u00e4isches \u00dcbergangsklima, pannonisches Klima, illyrisches Klima und alpines Klima. Vor einigen Jahren versuchte die <a href=\"https:\/\/www.aca.at\">ACA (Austrian Carnica Association)<\/a> unter der Leitung von Dr. Martin K\u00e4rcher die Leistungspr\u00fcfung der Carnica-K\u00f6niginnen nach diesen Klimazonen zu unterteilen.<br \/>\nUnsere Bienenpopulationen haben sich \u00fcber Jahrtausende an unterschiedliche Klimazonen und Landschaften angepasst. Diese regional angepassten Populationen bzw. Unterarten m\u00fcssen auch unbedingt erhalten bleiben. Es bedarf also eigentlich einer verst\u00e4rkten Selektion auf g\u00fcnstige Eigenschaften gegen die Varroamilbe innerhalb der regionalen Populationen. Dies wird von den regionalen Zuchtorganisationen aber ohnehin schon seit Jahrzehnten durchgef\u00fchrt. Auch wenn die europ\u00e4ische Population durch das Zutun der Imkerschaft sich in den letzten Jahrzehnten einem gr\u00f6\u00dferen Austausch befand als dies nat\u00fcrlicherweise der Fall gewesen w\u00e4re, sind diese imkerlichen Praktiken mit dem heutigen Wissen \u00fcber die lokalen Anpassungen der Bienen und die Verbreitung von Krankheiten sehr kritisch zu sehen und eigentlich g\u00e4nzlich zu vermeiden.<br \/>\nDas Projekt \u201eVarroaresistenz 2033\u201d m\u00fcsste somit auch viele Teilziele definieren, die diesem Bestreben Rechnung tragen. Es gibt in diesem Zusammenhang auch einige Gesetze und Bestimmungen, welche die regionalen Populationen sch\u00fctzen. In Slowenien wird beispielsweise die K\u00e4rntner Biene (<em>Apis mellifera carnica<\/em>) schon seit Jahrhunderten gez\u00fcchtet.<br \/>\nDa einige Teilnehmer von \u201eVarroaresistenz 2033\u201d planen, die Genetik von hochprozentig varroaresistenten V\u00f6lkern \u00fcber offene Begattungsst\u00e4nde ins Land zu tragen \u2013 dabei spielt die Bienenrasse keine Rolle \u2013 stellt sich die Frage, wer solche Entscheidungen trifft bzw. treffen darf.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div><\/section>\n\n<style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-mp1f0nwl-0f3b2a1e767a39e0e63ea9ff3b3ccf8f\">\n.avia-image-container.av-mp1f0nwl-0f3b2a1e767a39e0e63ea9ff3b3ccf8f img.avia_image{\nbox-shadow:none;\n}\n.avia-image-container.av-mp1f0nwl-0f3b2a1e767a39e0e63ea9ff3b3ccf8f .av-image-caption-overlay-center{\ncolor:#ffffff;\n}\n<\/style>\n<div  class='avia-image-container av-mp1f0nwl-0f3b2a1e767a39e0e63ea9ff3b3ccf8f av-styling- avia-align-center  avia-builder-el-5  el_after_av_textblock  el_before_av_textblock '   itemprop=\"image\" itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/ImageObject\" ><div class=\"avia-image-container-inner\"><div class=\"avia-image-overlay-wrap\"><img decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\" class='wp-image-2608 avia-img-lazy-loading-not-2608 avia_image ' src=\"https:\/\/carnica-zuchtgruppe-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/varroa_fun-300x300.png\" alt='' title='Mit ihrer Reproduktionsgeschwindigkeit hat die Varroamilbe eindeutig die besseren Karten (#kigeneriert)'  height=\"300\" width=\"300\"  itemprop=\"thumbnailUrl\" srcset=\"https:\/\/carnica-zuchtgruppe-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/varroa_fun-300x300.png 300w, https:\/\/carnica-zuchtgruppe-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/varroa_fun-80x80.png 80w, https:\/\/carnica-zuchtgruppe-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/varroa_fun-768x768.png 768w, https:\/\/carnica-zuchtgruppe-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/varroa_fun-36x36.png 36w, https:\/\/carnica-zuchtgruppe-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/varroa_fun-180x180.png 180w, https:\/\/carnica-zuchtgruppe-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/varroa_fun-705x705.png 705w, https:\/\/carnica-zuchtgruppe-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/varroa_fun.png 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/div><\/div><\/div>\n<section  class='av_textblock_section av-mp1eolcq-fe7efb9f824f5b08becbc0b24a32cdba '   itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/BlogPosting\" itemprop=\"blogPost\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Mit ihrer Reproduktionsgeschwindigkeit hat die Varroamilbe eindeutig die besseren Karten (\u201eSatirische KI-Illustration&#8220; generiert mit OpenAI \/ ChatGPT-Bildgenerator)<\/em><\/span><\/p>\n<\/div><\/section>\n<section  class='av_textblock_section av-mp1emded-fcb2f222f07cbcd59f91caf94d1c500b '   itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/BlogPosting\" itemprop=\"blogPost\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><ul>\n<li><strong>&#8222;Rote K\u00f6nigin&#8220;-Hypothese:<\/strong> Die Geschichte von Alice und der roten K\u00f6nigin. Wer sich l\u00e4nger mit Bienen besch\u00e4ftigt, stellt schnell fest, wie anpassungsf\u00e4hig sie sind. Sie halten ihre Brutnesttemperatur trotz schwankender Au\u00dfentemperaturen stets konstant bei 34 Grad Celsius, erschaffen durch unterschiedliches Futter unterschiedliche Bienenwesen, treffen Entscheidungen stets zugunsten des Gesamtvolkes, etc. Sie existieren sch\u00e4tzungsweise auch schon seit rund 100 Millionen Jahren auf der Erde. Es ist davon auszugehen, dass die Parasiten auch \u00e4hnliche Anpassungsf\u00e4higkeiten besitzen. Eine komplette Ausrottung der Varroamilbe wird uns vermutlich nicht gelingen, da dies bei Parasiten mit vielen Wirtstieren und Dauerstadien (Entwicklungsformen, die es dem Parasiten erm\u00f6glichen, widrige Umweltbedingungen zu \u00fcberstehen ohne den Wirt sofort zu t\u00f6ten) fast unm\u00f6glich ist. Streng betrachtet hat die Varroamilbe gegen\u00fcber unseren Honigbienen sogar noch einen wesentlichen evolution\u00e4ren Vorteil. Ihre Reproduktionsgeschwindigkeit ist wesentlich h\u00f6her als die der Bienen. Die Milbe hat kann mehrere Generationen pro Jahr hervorbringen und kann sich somit unter Selektionsdruck wesentlich schneller anpassen als die Biene (w\u00fcrde man von einem j\u00e4hrlichen Schwarm ausgehen, w\u00fcrden die Bienen jedes Jahr eine neue Generation hervorbringen. Da das Schw\u00e4rmen aber von den Imkern unterdr\u00fcckt wird, liegt die Reproduktionsrate der Bienenv\u00f6lker vielleicht sogar nur bei 2-3 Jahren). Und durch die Geschwisterpaarung (Inzucht) innerhalb der Brutzelle kann die Varroamilbe erfolgreiche Genkombinationen sogar schnell fixieren. Die Varroa kann sich somit innerhalb weniger Jahre anpassen, w\u00e4hrend die Biene daf\u00fcr viele Jahre bzw. Jahrzehnte ben\u00f6tigt um genetisch nachziehen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nLangfristig wird sich vermutlich ein evolution\u00e4res Gleichgewicht entwickeln, welches aber auch nach 2033 permanenten Ver\u00e4nderungen ausgesetzt sein wird. Anders ausgedr\u00fcckt: Wir k\u00f6nnen so schnell laufen, wie wir k\u00f6nnen. Wir werden aber am gleichen Fleck bleiben.<\/li>\n<li><strong>Die Geschichte von der behandlungsfreien Imkerei:<\/strong> jede Imkerin und jeder Imker \u2013 insbesondere die Neueinsteiger &#8211; tr\u00e4umen von einer behandlungsfreien Imkerei. Aber was ist eine behandlungsfreie Imkerei \u00fcberhaupt? Eine Imkerei, bei der sich der Imker nur um die Ernte der diversen Bienenprodukte k\u00fcmmern muss oder nur der Verzicht auf die diversen Varroazide? Ein Blick in die Geschichtsb\u00fccher der Zuchtvereine zeigt, dass auch schon vor der Varroamilbe die Bienenv\u00f6lker mit diversen Mitteln, welche inzwischen auch nicht mehr zugelassen sind, behandelt wurden. \u00a0Vor der Verbreitung der Varroamilbe k\u00e4mpften die Imkerinnen und Imker in unseren Breiten insbesondere gegen die Nosemose (Darmerkrankung verursacht durch die\u00a0Kleinsporentierchen <em>Nosema apis<\/em>) und die Tracheenmilbe. Ist nicht auch jede zus\u00e4tzliche F\u00fctterung der Bienen, wenn sie in der Natur nicht ausreichend Nahrung finden oder die Imker ihnen den gesamten Futtervorrat entziehen oder jedes Aufp\u00e4ppeln mit zus\u00e4tzlichen Proteinen und Vitaminen (spezielle Futterteige), als eine Form der Behandlung zu betrachten? Imkerinnen und Imker sind als Tierhalter dazu verpflichtet, sich um das Wohl ihrer Bienenv\u00f6lker zu k\u00fcmmern. Dabei wird es auch immer wieder neue Krankheiten, Parasiten und Bedrohungen f\u00fcr unsere Bienen geben, an die wir uns auch als Imker stets anpassen m\u00fcssen. Behandlungsfrei wird es nie werden. Wir sollten stets eine m\u00f6glichst behandlungsarme Imkerei anstreben und andere M\u00f6glichkeiten als den Einsatz von Medikamenten \u2013 sofern sie existieren \u2013 stets in den Vordergrund r\u00fccken.<\/li>\n<li><strong>Die Varroamilbe ern\u00e4hrt sich vom Fettk\u00f6rper der Bienen:<\/strong> Dies wurde von dem amerikanischen Entomologen (Insektenforscher) Dr. Samuel Ramsey (Professor an der staatlichen Universit\u00e4t in Boulder im US-Bundesstaat Colorado) erforscht und best\u00e4tigt (Quelle: Podcast \u201eDr. Samuel Ramsey: The Honey Bee Fat Body and the Varroa Mite\u201c [2]). Die bisherigen Vermutungen, dass die Varroamilbe sich auch vom Blut der Bienen ern\u00e4hren k\u00f6nnte, wurden von ihm widerlegt.Seine Arbeitsergebnisse werden derzeit bei uns noch zu wenig beachtet, obwohl sie die heutige Imkerei und die bisherigen Varroama\u00dfnahmen grundlegend ver\u00e4ndern w\u00fcrden. Der Fettk\u00f6rper ist ein zentrales Organ der Biene, das mit der Leber und dem Fettgewebe von Wirbeltieren vergleichbar ist. Er dient zur Entgiftung, zur Energiespeicherung, zur Immunabwehr und zur Produktion wichtiger Proteine, beispielsweise f\u00fcr die \u00dcberwinterung. Somit sind Sch\u00e4digungen dieses Organs viel gravierender als gedacht. Sie f\u00fchren zu einem geschw\u00e4chten Immunsystem, zu einer h\u00f6heren Virusanf\u00e4lligkeit (z. B. Deformed Wing Virus) und somit zu einer reduzierten Lebenserwartung \u2013 insbesondere der eigentlich langlebigen Winterbienen. D.h. die Varroabehandlung unserer Bienen muss vollst\u00e4ndig auf die Bildung gesunder Winterbienen (Bienen mit einer Lebensdauer von 4\u20136 Monaten und einem gro\u00dfen, gut entwickelten Fettk\u00f6rper) ausgerichtet sein. Die Winterbienen m\u00fcssen m\u00f6glichst &#8222;varroaarm&#8220; aufgezogen werden. Unsere heimischen Honigbienen beginnen die Aufzucht ihrer Winterbienen typischerweise Ende Juli bis Mitte August (Schlupf ab Mitte August). Dies ist nun die kritischste Phase f\u00fcr etwaige Varroa-Folgesch\u00e4den.<br \/>\nUm m\u00f6glichst fette Winterbienen zu bilden, muss die Varroabelastung bereits im Fr\u00fchjahr gering gehalten werden. Zudem m\u00fcssen stets gesunde Ammenbienen f\u00fcr die Aufzucht der Bienenbabys zur Verf\u00fcgung stehen.<br \/>\nAber auch f\u00fcr die Aufzucht von fitten Drohnen ist es notwendig, dass Milbenlast im Fr\u00fchjahr gering ist. Ist die Milbenzahl bereits im Fr\u00fchjahr hoch, k\u00f6nnen diverse imkerliche Eingriffe Abhilfe schaffen (z.B.: Drohnenrahmen einsetzen und alle 2-3 Wochen die Drohnenbrut schneiden oder Ablegerbildung). Ist die Milbenbelastung nach der Honigernte hoch, muss gleich nach der Honigernte (Juli) eine fr\u00fche und konsequente Sommerbehandlung durchgef\u00fchrt werden. Sch\u00f6n w\u00e4re es nat\u00fcrlich, wenn die Bienen die Milbenlast vom Fr\u00fchjahr bis zur Honigernte selbst m\u00f6glichst geringhalten w\u00fcrden. Deshalb ist es wichtig, dass die Imker Aufzeichnungen \u00fcber die Milbenbelastung f\u00fchren und diese Daten f\u00fcr die Selektion ihrer Bienenv\u00f6lker heranziehen.\u00a0 Imker m\u00fcssen sich stets die Frage stellen, welche Genetik ihrer Bienenv\u00f6lker sie weitergeben m\u00f6chten. Jede aufp\u00e4ppelnde Ma\u00dfnahme ist eigentlich ein Hinweis, dass diese Genetik nicht weitergeben werden sollte. F\u00fcr Z\u00fcchter ist diese Vorgehensweise aber ohnedies selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Bildung eines guten Fettk\u00f6rpers ist es auch notwendig, dass unsere Bienen eine gute Ern\u00e4hrung in Form eines vielf\u00e4ltigen Pollenangebots (Proteine) vorfinden. Auch die Zusammensetzung des Futters hat eine Auswirkung auf die Varroamilben, wie auch beim Vortrag von Dr. Bannert in Bad Reichenhall (Quelle: [4] Vortrag von Dr. Michael Bannert \u00fcber Bienengesundheit und Pflanzeninhaltsstoffe in Zeiten des Klimawandels) zu h\u00f6ren war (beispielsweise haben der Duftstoff Linalool und der Nektar bzw. der Pollen von Sonnenblumen eine akarizide Wirkung).<br \/>\nDie Bildung von Winterbienen l\u00e4sst sich an den Bienenv\u00f6lkern erkennen, wenn z.B.: das Brutnest wieder kompakter und kleiner wird (weniger offene Brut), die Bienen ruhiger werden, die K\u00f6nigin langsam die Leget\u00e4tigkeit reduziert, der Wabenbau und der Nektareintrag weniger werden etc.<br \/>\nVor diesem Hintergrund erscheint auch das von Dr. Pia Aumeier entwickelte \u201eTeilen-und-Behandeln\u201c-Konzept (Quelle: [3] \u201eBeschreibung der Teilen und behandeln Methode\u201c) in einem neuen Licht. Es f\u00e4llt genau in die wichtige Phase der Bildung der Winterbienen und sorgt durch die Trennung von befallener Brut und adulten Bienen f\u00fcr eine optimale Vorbehandlung der Ammenbienen f\u00fcr die Produktion der Winterbienen.<br \/>\nDerzeit konzentrieren sich die Bem\u00fchungen zur Varroa-Toleranz haupts\u00e4chlich auf die Reproduktionsphase der Varroamilben in den Brutzellen, nicht jedoch auf die phoretische Phase der erwachsenen Milben. Also jener Phase, wo die Milben auf den erwachsenen Bienen sitzen, am Fettk\u00f6rper der Bienen saugen und sich von Stock zu Stock verbreiten. Dabei w\u00e4re dies jedoch jene Phase, welche daf\u00fcr sorgt, dass die Milben gut gen\u00e4hrt in die Bienenzellen schl\u00fcpfen und sich dort vermehren k\u00f6nnen. Also jene Phase, welche ma\u00dfgeblich die Vitalit\u00e4t der Milben bestimmt.<\/li>\n<li><strong>Gibt es nicht schon Bienenpopulationen, welche auch ohne Behandlungen die Belastung mit der Varroamilbe \u00fcberleben?<br \/>\n<\/strong>Zur Beantwortung dieser Frage wird oftmals auf die Studie \u201eNatural Varroa mite-surviving Apis mellifera honeybee populations\u201c [1] von Barbara Locke (<a href=\"https:\/\/scispace.com\/authors\/barbara-locke-25g3dp9854\"> Swedish University of Agricultural Sciences, Uppsala<\/a>) verwiesen. Diese Studie gibt sehr interessante Einblicke in unterschiedliche Bienenpopulationen (Apis mellifera scutelatta in Brasilien und in S\u00fcdafrika, Apis mellifera ligustica auf der Insel Fernando de Noronha vor Brasilien, die Primorsky-Bienenpopulation an der Ostk\u00fcste Russlands, die Bienenpopulation auf der Insel Gotland in Schweden, eine Bienenpopulation in Avignon in Frankreich und die Bienenpopulation im Arnot Forest in der N\u00e4he von Ithaca, New York (Forschungs- und Lehrwald der Cornell University)), welche trotz der Varroamilbe selbst am Leben bleiben. Bevor man jedoch in Euphorie verf\u00e4llt, sollte man jedoch die Studie lesen und sich selbst eine Meinung bilden. Einige dieser Bienenpopulationen befinden sich in Gebieten, die f\u00fcr sie absolut fremd sind. Andere k\u00e4mpfen mit einem anderen genetischen Typen der Varroamilbe (Japan-Typ und nicht Korea-Typ) und wiederum andere zeigen Eigenschaften, die eine sinnvolle imkerliche Verwendung sehr unwahrscheinlich erscheinen lassen. Was der Bericht aber klar aufzeigt, sind imkerliche Eingriffe, welche im Gegensatz zu diesen evolution\u00e4ren Ver\u00e4nderungen im Sinne von varroabest\u00e4ndigen Bienen stehen bzw. diese verz\u00f6gern k\u00f6nnten. Die Reihenaufstellung vieler Bienenv\u00f6lker an einem Standort, der Austausch von Material (R\u00e4hmchen und Zargen) zwischen den Bienenv\u00f6lkern oder die Unterdr\u00fcckung\/Verhinderung des Schwarmverhaltens sind Ma\u00dfnahmen, welche der Bienengesundheit wenig f\u00f6rderlich sind und dem Streben nach varroabest\u00e4ndigen Bienen entgegenwirken. Imker sollten \u00fcber diese Problematik nachdenken und ihre Arbeitsweise \u00fcberdenken. Werden die Bienenk\u00f6niginnen zum Verhindern von Schw\u00e4rmen alle zwei Jahre getauscht, k\u00f6nnte man beispielsweise auch \u00fcberlegen, mit diesem Tausch auch das Wabenmaterial und die Beute komplett auszutauschen. Damit k\u00e4me der Eingriff einem nat\u00fcrlichen Schwarm sehr nahe, das Bienenvolk w\u00fcrde ein neues, sauberes Zuhause bekommen und wie bei einem Schwarm w\u00fcrde die herbeigef\u00fchrte Brutunterbrechnung die Varroabelastung zu einem Zeitpunkt drastisch reduzieren, wo sie f\u00fcr die Bildung der wertvollen Winterbienen essentiell w\u00e4re.<\/li>\n<\/ul>\n<h3><strong>Was bedeutet dies nun f\u00fcr uns als Carnica-Zuchtgruppe?<\/strong><\/h3>\n<p>Eigentlich nicht viel. Wir werden unseren seit Jahrzehnten &#8211; wir durften erst im letzten Jahr das 50j\u00e4hrige und 60j\u00e4hrige Bestehen unserer Belegstellen feiern &#8211; eingeschlagenen Zuchtweg beibehalten und weiterhin versuchen die Genetik unserer heimischen Carnica-Population in Form einer nat\u00fcrlichen Linien-Reinzucht (nat\u00fcrliche Begattung auf unseren Belegstellen) zu erhalten. Die Gesundheit unserer Bienen stellt das oberste Gebot dar, w\u00e4hrend andere Zuchtziele wie der Honigertrag, Sanftmut und Wabensitz eine untergeordnete Rolle spielen. Deshalb werden wir auch sicherlich die neuesten Erkenntnisse von Dr. Samuel Ramsey in unsere Arbeit mit den Bienen einflie\u00dfen lassen. Das Aufzeichnen von Daten, damit in Folge auch nach objektiven Kriterien selektiert werden kann, geh\u00f6rt ohnehin zum Handwerkszeug eines jeden Bienenz\u00fcchters. Wir sind es gewohnt, auf unterschiedliche Zuchtziele zu selektieren. Somit stellt das Erfassen der Varroa-Daten als zus\u00e4tzliches Selektionskriterium keine wesentliche Ver\u00e4nderung f\u00fcr uns dar. Ob diese Daten in Folge brauchbar sind bzw. zu einer merkbaren Varroa-Toleranz unserer Bienen f\u00fchren werden, wird sich bei den j\u00e4hrlichen Leistungspr\u00fcfungen zeigen. Dies ist aber \u201eBusiness as usual\u201c.\u00a0 Das Jahr 2033 kommt sicher.<br \/>\nEine einzige, fl\u00e4chendeckend in Europa vorkommende varroaresistente Honigbienenpopulation wird hoffentlich nie kommen, da wir an die regional angepassten Honigbienenpopulationen glauben und von deren Vorteile \u00fcberzeugt sind.<br \/>\nAber selbst einzelne, stabile varroatolerante\/ varroaresistente Populationen erachten wir bis 2033 als sehr unwahrscheinlich. Wir bem\u00fchen uns jedenfalls weiterhin um eine gesunde, regional-angepasste Carnica-Biene. Nat\u00fcrlich werden wir auch versuchen ihre varroatoleranten Merkmale zu erkennen und z\u00fcchterisch zu selektieren. Wir werden auch wie bisher versuchen unser Wissen \u00fcber die Selektion an die breite Imkerschaft weiterzugeben, damit medikament\u00f6se Behandlungen auf das notwendige Minimum reduziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Unter den Lesern, die bis hierhin durchgehalten haben, wird es vermutlich einige geben \u2013 insbesondere jene, die sich dem Projekt &#8222;Varroaresistenz 2033&#8220; mit Herz und Seele verschrieben haben \u2013, die die Situation anders beurteilen w\u00fcrden. Manch einer wird sagen, dass man das Vorhaben &#8222;Varroaresistenz 2033&#8220; gar nicht so genau nehmen darf und es eigentlich nur dazu dient, die Imkerinnen und Imker zu motivieren.<\/p>\n<p>Jede Imkerin und jeder Imker sollte sich fragen, welche imkerlichen Erwartungen \u2013 mit oder ohne einer fl\u00e4chendeckenden Varroaresistenz in Europa &#8211; er an das Jahr 2033 hat und was er f\u00fcr die Zeit danach erwartet. Es darf jedenfalls nicht passieren, dass andere wichtige Themen komplett untergehen. So d\u00fcrfen beispielsweise Wildbienen, andere Best\u00e4uberinsekten oder gar lokale Populationen unserer Honigbienen nicht unbemerkt verschwinden, nur weil wir uns vollst\u00e4ndig auf eine Varroaresistenz bis 2033 fokussieren und den Gro\u00dfteil unserer Zeit und Ressourcen daf\u00fcr verwenden. Der Klimawandel und das Artensterben sowie ihre Ursachen und Auswirkungen werden die Imkerei vermutlich viel h\u00e4rter treffen. Diesen Themen sollten wir uns daher verst\u00e4rkt auch als Imker widmen.<br \/>\nDenn wichtiger, als Dinge richtig zu tun, ist es, die richtigen Dinge zu tun.<\/p>\n<h3>Quellen \/ weiterf\u00fchrende Links:<\/h3>\n<p><strong>[1] Natural <em>Varroa<\/em> mite-surviving <em>Apis mellifera<\/em> honeybee populations<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s13592-015-0412-8\">https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s13592-015-0412-8<\/a><\/p>\n<p><strong>[2]<\/strong> <strong>Podcast &#8211; Dr. Samuel Ramsey: The Honey Bee Fat Body and the Varroa Mite<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.beekeepingtodaypodcast.com\/videos\/dr-samuel-ramsey-the-honey-bee-fat-body-and-the-varroa-mite-015\/\">https:\/\/www.beekeepingtodaypodcast.com\/videos\/dr-samuel-ramsey-the-honey-bee-fat-body-and-the-varroa-mite-015\/<\/a><\/p>\n<p><strong>[3] Dropbox von Dr. Pia Aumeier \u2013 Pias Dropbox \u2013 2020 Pias Monatsbetrachtungen \u2013 \u201e2020_7 Die neue Bienenzucht.pdf\u201c \u2013 \u201eBeschreibung der Teilen und behandeln Methode\u201c<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.piaaumeier.de\/\">https:\/\/www.piaaumeier.de\/<\/a><\/p>\n<p><strong>[4] Vortrag von Dr. Michael Bannert \u00fcber Bienengesundheit und Pflanzeninhaltsstoffe in Zeiten des Klimawandels<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/imker-aigen.at\/index.php\/2026\/03\/21\/bienengesundheit-und-pflanzeninhaltsstoffe\/\">https:\/\/imker-aigen.at\/index.php\/2026\/03\/21\/bienengesundheit-und-pflanzeninhaltsstoffe\/<\/a><\/p>\n<h3>Erg\u00e4nzung vom 10.06.2026<\/h3>\n<p>In der <a href=\"https:\/\/tv.orf.at\/zeitimbild\/index.html\">ZIB<\/a>-Sendung vom 20.5.2026 wurde berichtet, dass unsere Bienen gut \u00fcber den Winter 2025\/26 gekommen seien. Die Winterverluste waren unter 10 % und dies obwohl es noch gar keine varroaresistente Bienenpopulation in Europa gibt und bis 2033 noch einige Jahre vor uns liegen (siehe auch <a href=\"https:\/\/www.uni-graz.at\/de\/neuigkeiten\/guter-winter-fuer-die-honigbienen-sterblichkeit-in-oesterreich-unter-zehn-prozent-1\/\">&#8222;Guter Winter f\u00fcr die Honigbienen: Sterblichkeit in \u00d6sterreich unter zehn Prozent&#8220;<\/a>). Als Grund hierf\u00fcr wurden in der ZIB-Sendung die niedrigen Wintertemperaturen genannt. Laut der <a href=\"https:\/\/www.geosphere.at\/de\/aktuelles\/news\/relativ-milder-winter-2025-2026\">GeoSphere-Winterbilanz<\/a> 2025\/26 war es aber insgesamt eher ein milder Winter. Wir haben uns daher direkt beim Verfasser der Studie, Dr. Robert Brodschneider von der <a href=\"https:\/\/www.uni-graz.at\/de\/\">Uni Graz<\/a>, nach den genauen Hintergr\u00fcnden f\u00fcr die geringen Winterverluste erkundigt. Von Dr. Brodschneider haben wir dann folgende weiterf\u00fchrende Links erhalten:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0048969716326444\">https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0048969716326444<\/a><br \/>\n<u><br \/>\n<\/u><a href=\"https:\/\/royalsocietypublishing.org\/rsos\/article\/8\/9\/210618\/96543\">https:\/\/royalsocietypublishing.org\/rsos\/article\/8\/9\/210618\/96543<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mdpi.com\/1424-2818\/12\/3\/99\">https:\/\/www.mdpi.com\/1424-2818\/12\/3\/99<\/a><\/p>\n<p>Kurz zusammengefasst: Entscheidend ist der gesamte Wetterverlauf im Winter und in den Monaten davor \u2013 insbesondere Temperatur und Feuchtigkeit.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Die Wintersterblichkeit von Bienenv\u00f6lkern ist in \u00d6sterreich tendenziell h\u00f6her, wenn die vorangegangenen Monate im Durchschnitt w\u00e4rmer und trockener waren. Wetter und Klima beeinflussen die Vegetation und damit indirekt auch unsere Bienen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Jeder kann sich ausrechnen, was dies in Zeiten des Klimawandels bedeutet.<br \/>\nPflanzen und deren Inhaltsstoffe spielen eine wesentliche Rolle bei der Bienengesundheit (bestimmte Inhaltsstoffe haben auch eine akarizide Wirkung). Die Qualit\u00e4t von Pollen und Nektar wird wiederum stark vom Wetter und Klima beeinflusst.<\/p>\n<p>Ob Bienen gut \u00fcber den Winter kommen oder nicht, ist von vielen Faktoren abh\u00e4ngig. Varroa spielt sicherlich auch eine Rolle. Aber m\u00f6glicherweise nicht die wichtigste.<\/p>\n<\/div><\/section>\n<div  class='av-social-sharing-box av-4bhmc1-e421561245fe36a94ca8f61a5200ac53 av-social-sharing-box-default  avia-builder-el-8  el_after_av_textblock  el_before_av_comments_list  av-social-sharing-box-fullwidth'><div class=\"av-share-box\"><h5 class='av-share-link-description av-no-toc '>Eintrag teilen<\/h5><ul class=\"av-share-box-list noLightbox\"><li class='av-share-link av-social-link-facebook avia_social_iconfont' ><a target=\"_blank\" aria-label=\"Teilen auf Facebook\" href='https:\/\/www.facebook.com\/sharer.php?u=https:\/\/carnica-zuchtgruppe-salzburg.at\/index.php\/2026\/05\/12\/toleranz-resistenz-und-die-geschichte-von-alice-im-wunderland\/&#038;t=Toleranz%2C%20Resistenz%20und%20die%20Geschichte%20von%20Alice%20im%20Wunderland' data-av_icon='\ue8f3' data-av_iconfont='entypo-fontello'  title='' data-avia-related-tooltip='Teilen auf Facebook'><span class='avia_hidden_link_text'>Teilen auf 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